Kulturzentrum von Norden<br/><small>Heinrich Heidersberger Wolfsburg/ARTUR IMAGES</small> Dachlandschaft im Rohbau<br/><small>Heinrich Heidersberger Wolfsburg/ARTUR IMAGES</small></small> Feuerstelle mit aufschiebbarem Dach<br/><small>Heinrich Heidersberger Wolfsburg/ARTUR IMAGES Bistro im Südfoyer, 2001, Planung Uwe Kleineberg<br/><small>Bernd Rodrian, Wolfsburg/Berlin</small> Hauptsaal der Bibliothek, Zustand 1962<br/><small>Heinrich Heidersberger Wolfsburg/ARTUR IMAGES</small>

Alvar-Aalto-Kulturhaus,
ehemals Kulturzentrum
Porschestraße 51
1958-1962

Genau terminiert zum 20-jĂ€hrigen JubilĂ€um der Stadt, am 1. Juli 1958, erfolgte in einer feierlichen Ratssitzung der Beschluss, Alvar Aalto mit der Planung und BaudurchfĂŒhrung eines Kulturzentrums zu beauftragen. Unangefochten erhielt Aalto den Auftrag, der alternative Entwurf von Paul Baumgarten vermochte in seiner reservierten funktionalistischen KĂŒhle nicht die emotionalen Erwartungen zu erfĂŒllen, die mit dieser identitĂ€tsstiftenden Bauaufgabe fĂŒr die junge Stadt verbunden waren. UneingeschrĂ€nkt war auch das Vertrauen von Politik und Verwaltung, aus dem Aalto in den folgenden vier Jahren schöpfen konnte. Den vergleichsweise geringfĂŒgigen Überarbeitungen des Entwurfskonzeptes, die sich aus der Feinabstimmung der zukĂŒnftigen Nutzungen ergaben, stand die vorbehaltlose Bereitschaft gegenĂŒber, mehrmals Budget und Zeitrahmen zu erweitern, um Aalto die Umsetzung seines Projekts zu einer Vollkommenheit zu ermöglichen, 'in dem das Praktische und Funktionelle sich mit dem phantasievoll KĂŒnstlerischen sicher die Waage halten und symbolhaft vom schöpferischen Willen der Stadt zeugen', wie die Festschrift zur Einweihung resĂŒmierte.

Ausgestattet mit einem souverĂ€nen Quantum ideeller und architektonischer Kraft nahm das Kulturzentrum 1962 seinen Betrieb auf und traf genau den Nerv der Zeit. Die drei Kultureinrichtungen Bibliothek, Volkshochschule und Jugendzentrum agierten unter einem gemeinsamen Dach, in einem ausbalancierten Gleichgewicht mit gegenseitiger Anregung. Aalto war es gelungen, jeder Einrichtung ihre spezielle rĂ€umliche AusprĂ€gung und AtmosphĂ€re zu geben, sie aber gleichzeitig als Teil eines Ganzen in einem luftig geordneten Gesamtorganismus verschmelzen zu lassen. In seinen Ă€ußeren Konturen reagiert das GebĂ€ude auf die unterschiedlichen stĂ€dtebaulichen Randbedingungen. Den dominanten 'Kopf' setzen das polygonale Hauptfoyer zum Rathausplatz im Norden und die aufgestĂ€nderten, fĂ€cherförmig verstaffelten HörsĂ€le des Obergeschosses. Die westliche Flanke zur Porschestraße bildet eine lineare Ladenzeile mit Kolonnade unter einem dezenten Riegel aus VerwaltungsrĂ€umen, die SĂŒdseite sollte mit dem herausgeschobenen Hof der Kinderbibliothek den Übergang zum Landschaftsraum des Klieversbergs thematisieren. Die Dachlandschaft ist als fĂŒnfte Fassade aufgefasst, ihr rĂ€umliches Zentrum im Obergeschoss formt die dreiseitig umschlossene Terrasse mit einem angegliederten Raum um eine Feuerstelle, der durch aufschiebbare Dach- und Fassadenelemente zu einem weiteren Außenraum werden kann.

Das Konzept der kompakten Funktionsmischung unter einem Dach erweist bis heute seine LeistungsfĂ€higkeit. Von den drei ursprĂŒnglichen Nutzungen ist nur mehr die Bibliothek im GebĂ€ude verblieben, sie hat sich unter anderem Teile des ehemaligen Jugendzentrums einverleibt sowie zwei kleine Wohnungen im Obergeschoss fĂŒr VerwaltungsrĂ€ume.

Aktuell sind zudem der GeschĂ€ftsbereich Kultur und das 'Forum Architektur' der Stadt Wolfsburg im Hause ansĂ€ssig, ihre gemeinsame 'Kultur-Information' ist in der ehemaligen Anmeldestelle der Volkshochschule an der Porschestraße eingerichtet. Die HörsĂ€le im Obergeschoss werden regelmĂ€ĂŸig fĂŒr Veranstaltungen, auch externer Anbieter, genutzt. Im Rahmen einer Neuorientierung wurde bereits 2001 im SĂŒdfoyer ein Bistro eingerichtet, der Raumbereich steht seitdem nicht mehr zur Erschließung des GebĂ€udes zur VerfĂŒgung.

GegenwĂ€rtig plant die Stadt Wolfsburg ein neues 'Bildungshaus', in das auch die Bibliothek einziehen wird. Baubeginn ist nach derzeitigem Stand voraussichtlich 2018/2019. FĂŒr ein Nachnutzungskonzept des Alvar-Aalto-Kulturhauses hat die Stadt Wolfsburg eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeitern der Kultur- und Bauverwaltung eingesetzt.